Neue Lebensformen entdeckt!

Veröffentlicht: 1. Dezember 2011 in ... und ich so: hä?
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Es gibt sie zwar schon länger und so manchem sind sie wahrscheinlich bereits aufgefallen, aber hier kommt jetzt ein Kompendium über sie: Die Lebensformen in öffentlichen Bereichen. Eine groß angelegte Feldstudie brachte mir Erkenntnisse, über die ich mich zwar schon lange gewundert habe, sie aber nie vollständig in ihrer Tiefe verstehen konnte. Bis heute. Heute zeigten sich alle dieser Spezies auf einmal. Es ging schon morgens im Bus los, zog sich durch die U- und S-Bahn und selbst auf den Rolltreppen konnte ich sie in voller Pracht mit ihren ganzen Eigenheiten und Verhaltensmustern beobachten.

Der Busblockierer
Der Busblockierer ist ein Phänomen, welches sich zum Ziel gesetzt hat, in einen Bus einzusteigen und stehen zu bleiben. Dass 10 Leute dahinter in den Bus drängen (und vom Busfahrer gedrängt werden, schließlich gilt es einen Fahrplan einzuhalten) wird dabei ignoriert. Erst nach einer Aufforderung seitens des Busfahrers, nach hinten durchzugehen setzt sich der Busblockierer in Gang. Ist der Busblockierer dadurch eliminiert, findet sich zwei Haltestellen weiter der direkte Nachfolger. In freier Wildbahn wird der Busblockierer somit nie aussterben.

Der Ausstiegsblocker
ist sehr nahe mit dem Busblockierer verwand. Im Gegensatz zum Busblockierer ist er allerdings kein reisendes Wesen. Der Ausstiegsblocker fühlt sich ausschließlich an den Ausstiegen der U-Bahnen heimisch. Dort lässt er sich nieder und verhindert somit eine Entleerung des Fortbewegungsmittels. Nachdem sich die Reisenden seinen Fängen entwunden haben und das Fahrzeug verlassen konnten, setzt urplötzlich eine Metamorphose ein. Der Ausstiegsblocker schiebt sich nach vorne in das Fahrzeug, unterdessen rückt hinter ihm die nächste Gereration nach. Somit verlässt der Ausstiegsblocker seinen Lebensraum, während am Bahnsteig die neue Generation auf das nächste Fahrzeug wartet. Der Ausstiegsblocker ist in der Lage, ohne das Enzym „Erst aussteigen lassen“ zu überleben.

Der Rolltreppenhonk
Der Rolltreppenhonk gehört ebenfalls zur Familie der Busblockierer. Sein Lebensraum ist die linke Seite auf Rolltreppen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, eiligeren Menschen deutlich zu machen, wie ruhig und besinnlich es sein kann, für einen Moment innezuhalten und bereitstehende Züge, in Kürze schließende Geschäfte oder wichtige Termine zu ignorieren. Zudem ist der Rolltreppenhonk absolut unbeweglich. Meistens ist der Rolltreppenhonk zu zweit, wobei sich der Partner (geschlechtsunabhängig!) auf der rechten Seite aufhält. Sind die beiden erstmal in ihr Gespräch vertieft, führt kein Weg mehr an ihnen vorbei. Den Verhaltensregeln „Rechts stehen, links gehen“ verweigern sie sich beharrlich. Einzelgänger dieser Gattung stellen mangels eines Partners alternativ sperriges Gepäck (Trollis, Rucksäcke, Einkaufstüten, etc.) in den Weg. Ist der Rolltreppenhonk am Ende der Rolltreppe angekommen, muss er sich erst einmal neu orientieren. Dieser Prozess gelingt dem Honk am Besten bei völligem Stillstand, während er vor sich hin sinnierend nach einem neuen Zuhause sucht. Fällt dabei seine Wahl auf ein Reisemittel, verwandelt er sich gelegentlich in einen Ausstiegsblocker, da der Hang zur Ruhe und Gemütlichkeit schließlich seinem Naturell am ehesten entspricht.

Der Türidiot
Der Türidiot gehört keiner der oben genannten Spezies an und ist ein zeitlich begrenzt auftretendes Naturwunder. Türidioten siedeln sich gerne in gut gefüllten U- oder S-Bahnen an und dort mit Vorliebe im Türbereich. Ist eine Türe im Begriff, sich zu schließen, beißt sich der Türidiot instinktiv an der Lichtschranke fest und verhindert somit diesen Vorgang. Erst nach Aufforderung des Bahnführers gelingt es dem Türidioten seinen Reflex zu überwinden und die Türe als geschlossen zu akzeptieren. Doch lange muss er nicht leiden. Nach kurzer Zeit, in der Regel an der nächsten Haltestelle, öffnet sich die Türe erneut und der Türidiot sucht seine nächste Chance, wobei er in der Regel jedoch abermals scheitert.

Der Sitzplatzeumel
Der Sitzplatzeumel ist kein eigenständiges Wesen. Der Sitzplatzeumel mutiert gelegentlich aus allen obengenannten Arten, aber auch nicht selten aus dem gemeinen Reisenden. Es ist nahezu unmöglich, ihn zu erkennen, bevor er mutiert hat. Hat er aber einmal die Verwandlung hinter sich, versucht er, sich auf dem letzten freien Sitzplatz anzusiedeln. Allerdings sendet ein Sitzplatzeumel offensichtlich einen Lockstoff aus, der andere Sitzplatzeumel in sekundenschnelle anlockt. Somit löst er unbewusst ein Gerangel um diesen Sitzplatz aus, in dem nur der stärkste durchkommt. Die anderen mutieren direkt danach wieder zurück, wobei es auch zu einem Gattungstausch kommen kann. Zum Beispiel kann ein Ausstiegsblocker zum Sitzplatzeumel werden und sich danach in einen Busblockierer oder Rolltreppenhonk verwandeln.

Solltet ihr also demnächst die oben beschriebenen Arten in freier Wildbahn beobachten können oder falls ihr vielleicht mal einem Rolltreppenhonk oder Ausstiegsblocker zum Opfer fallen solltet, nehmts locker. Die können in Wahrheit gar nix dafür… 😉 🙂

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Kommentare
  1. Frechdachs sagt:

    Applaus! Applaus! Applaus! Word up!

  2. new woman sagt:

    ja das ist so ’ne Sache mit diesen Spezies in einer großen Stadt. Hier sind sie natürlich stärker vertreten als auf dem Land, wie ist es doch hier ruhig……
    Allerdings haben wir auch keine Straßenbahn vor dem Haus….

  3. thomasgecko sagt:

    Jahaaa, diese Spezies kenne ich auch alle… Du hast allerdings noch eine weitere Spezies vergessen: Die „Versehrten-Sitz-Kleber“. Hierbei handelt es sich ebenfalls nicht um eine eigene Spezies, sondern um jene seltsamen Individuen, die plötzlich aus anderen Arten hervorgehen. Sie setzen sich gerne auf diese Plätze in Bus/Bahn, die mit dem schönen roten Kreuz markiert sind, und stehen auch nicht auf, wenn eine Oma mit Krücken angehumpelt kommt und mit flehendem Blick signalisiert: „Bitte, lass mich dahin sitzen“. Es handelt sich allerdings zugegebenermaßen um eine recht seltene Spezies, deren Beobachtung in freier Wildbahn einige Geduld und Aufmerksamkeit erfordert, aber es gibt durchaus hin und wieder noch einzelne Individuen zu beobachten.

    :-),
    thomasgecko

  4. thomasgecko sagt:

    Ha, und natürlich freue ich mich, wenn ich morgens ins Büro komme, und sehe es gibt Neuigkeiten auf dem Blog 🙂
    Wieder mal ein echt starker Artikel, danke für die tolle Unterhaltung zum Start in den Arbeitstag

  5. Bei dem Rolltreppenhonk ist mir übrigens noch aufgefallen, das er generell immer noch einen blödes Geräusch von sich gibt, wenn man ihn denn bittet mal auf Seite zu gehen! 🙂

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